Fotos sicher und dauerhaft speichern

Wer beruflich etwas mit Fotografie zu tun hat, macht sich ohnehin schon Gedanken um die Sicherheit seiner Fotos: Was zum Beispiel passieren würde, wenn ich die 2.500 Fotos meiner letzten Hochzeit verlieren würde, mag ich mir gar nicht ausmalen. Aber auch die private Fotosammlung geht im Laufe der Zeit gerne mal unter, sollte sie irgendwo auf dem heimischen Laptop abgelegt worden sein. Darum ist es für Fotografen – ganz gleich ob beruflich oder just for fun – wichtig, sich ein ordentliches Konzept für die Datensicherung zuzulegen.

Drei Verfahren möchte ich euch hier vorstellen.

Einfache Speichermedien zum Sichern von Fotos

Die einfachste Lösung ist sicher ein externes Laufwerk – in welcher Form auch immer – mit dem eigenen Computer zu verbinden und somit zusätzlichen und unabhängigen Speicherplatz bereitzustellen. Beispiele für solch ein Vorgehen sind externe Festplatten bzw. Festplatten in einem einfachen externen Gehäuse, Time Capsula Lösungen, große USB-Sticks und Weiteres. Ihr könnt das Laufwerk jederzeit vom Rechner trennen und an ein anderes Gerät schließen. Deshalb nutze ich externe Festplatten beispielsweise, wenn ich mehrere Tage oder Wochen als Landschaftsfotograf unterwegs bin. Damit hören die Vorteile aber auch schon auf. Problematisch ist die Ausfallwahrscheinlichkeit externer Laufwerke, da eure Daten nur einfach gespeichert werden. Die Ausfallrate ist je nach Bauart, verwendetem Medium sowie der Mobilität eurer Nutzung mal höher, mal geringer. Ich selber habe auch schon mal eine der schönen kleinen und kompakten externen Festplatten verloren. Sie war einfach weg und mit ihr alle darauf gespeicherten Daten.

Zusätzlich sind die meisten externen Speichermedien nicht auf Dauerbetrieb ausgelegt und sollten so auch nicht genutzt werden. In meiner eigenen unternehmerischen Laufbahn sind mir innerhalb von acht Jahren zwei externe Festplatten abgeraucht. Glücklicherweise handelte es sich beide Male nur um den Controller und tolle Fachleute konnten die Daten – auch wenn es nicht ganz billig war – wiederherstellen. Anders sähe es aus, wenn tatsächlich ein Laufwerkdefekt vorliegen würde. Das könnte bei einer regulären HDD durch Erschütterungen, mechanische Beschädigungen oder Abnutzung der Fall sein. Ein schleichender Verfall ist fast schon schlimmer als ein plötzlicher Defekt, denn er fällt im normalen Betrieb nicht wirklich auf und die Überraschung kommt dann, wenn ihr verschiedene Daten einfach nicht mehr lesen könnt.

Die einfache Speicherung eurer Daten auf einen externen Datenträger ist damit verhältnismäßig riskant. Den günstigen Anschaffungskosten steht ein zu hohes Risiko des Datenverlustes gegenüber.

Wenn ihr euch für diese Lösung als Form der Datensicherung entscheidet, investiert zumindest in einen externen Festplatteneinschub und robuste Festplatten. Mehr dazu weiter unten.

Sichern von Fotos auf Festplatten in externen Festplattengehäusen

Neben einfachen Speichermedien könnt ihr auch externe Festplattengehäuse mit euren Rechnern verbinden, die mehr als eine Festplatte beinhalten können. Diese stellen – richtig eingerichtet – einen guten Kompromiss aus Preis und Sicherheit dar. Diese Gehäuse verfügen über eine eigene Stromversorgung und einen eigenen Lüfter. Ihr schließt es beispielsweise über den USB-Port eures Rechners an. Bei der Anschaffung eines Diskmounts solltet ihr auf schnelle und zu eurem System kompatible Schnittstellen achten: Ihr werdet nicht viel Freude an einem Diskmount mit USB 3.0 Anschluss haben, wenn euer Computer lediglich USB 2.0 unterstützt.

Der Diskmount besitzt mehrere Einschübe, in die ihr reguläre 3,5 Zoll-Festplatten (mit Adapter auch andere Größen wie 2,5 Zoll SSD) montieren könnt. Nach einer kurzen Initialisierung in Windows (oder dem Betriebssystem eurer Wahl) könnt ihr problemlos auf das neu bereitgestellte Laufwerk zugreifen. In der einfachen Variante sind eure Festplatten im Diskmount ein JBOD-System. Das steht etwas scherzhaft für „Just a Bunch of Disks“ und bedeutet nichts anderes, als dass jedes Festplatte als eigenes Laufwerk ansprechbar ist oder alle Festplatten zu einem großen Volumen zusammengefasst werden.

Es geht aber auch anders: Dass ihr mehrere Festplatten in einen Diskmount bereitstellen könnt, bietet euch einen zusätzlichen Aspekt der Datensicherheit. Höherwertige Gehäuse können eure Datenträger in einen RAID-Verbund (Hardware Raid) zusammenfassen. Sollte eure Hardware das nicht ermöglichen, kann das Betriebssystem (Software Raid) diese Aufgabe eventuell übernehmen.

RAID-Verbund als Ausfallschutz für Datenträger

Bei einem RAID (Redundant Array of Independent Disks) als Schutz vor Datenausfall werden eure Daten im einfachsten Fall 1 zu 1 auf alle eingebundenen Laufwerke kopiert (RAID Level 1). RAID Level 5 hingegen verteilt die Daten auf mehrere Festplatten und reserviert auf den Datenträgern Platz für Paritäten. Raid Level 6 funktioniert ähnlich und bietet Ausfallschutz für bis zu zwei Datenträger. Für euch als Anwender bedeutet das, ihr könnt immer noch auf eure Daten zugreifen, auch wenn eine der Festplatte im Verbund ausfällt.

Aus den unterschiedlichen RAID-Verfahren könnt ihr einen für euch angenehmen Kompromiss aus Speicherplatz, Redundanz und Geschwindigkeit wählen. Wichtig ist jedoch, dass ein Raid-System keine Backup-Lösung ist. Es dient der Speicherung eurer Daten und stellt einen Schutz vor Ausfall der Speichermedien dar.

Bei einem RAID-System besteht die Gefahr, dass der Raidcontroller ausfällt. In diesem Fall müsst ihr eure Festplatten in ein kompatibles Ersatzgerät einbauen oder einen neuen Software-RAID initialisieren. Wenn ihr euch das nicht zutraut, holt euch Hilfe beim Experten! Einen RAID neu aufzubauen ist mit den richtigen Mitteln (zum Beispiel durch den Neukauf des kaputten Gehäuses) übrigens einfacher als eine einzelne Festplatte zu retten.

Den externen Speicher als Netzwerkspeicher nutzen

Falls ihr als Heimanwender einen entsprechenden Router wie beispielsweise eine besitzt, könnt ihr eure externe Festplatte oder das Festplattengehäuse – abhängig vom Modell – dort anschließen und als NAS-Speicher (Network Atached Storage) verwenden. So habt ihr mit jedem Rechner in eurem Netzwerk und mit den richtigen Einstellungen auch von unterwegs Zugriff auf eure Daten. Ich selber halte diese Lösung allerdings für suboptimal, da der Router die Speichermedien initialisieren muss. Wenn ihr hier kein frisches Laufwerk verwendet, gehen die bisherigen Daten verloren. Ob und wie alle Festplatten eines Diskmounts vom eigenen Router erkannt werden, kann ich selber nicht beantworten. Hier fehlt mir die Erfahrung, da ich eine andere Lösung vorziehe.

Die Diskstation

Selber nutze ich eine Synology Diskstation. Dabei handelt es sich um einen kleinen, eigenständigen Server, der nicht nur einen NAS mit gewünschtem RAID-System bereitstellt, sondern auch eigenständig verschiedene Dienste ausführt. Ihr könnt eine Diskstation beispielsweise so konfigurieren, dass ihr über eine eigene SSL-geschützte Domain und den WebDAV-Dienst von überall auf eure Daten zugreifen könnt, sie per SFTP verschiebt und sogar einen eigenen Webserver aufsetzen (aber bitte macht das nur, wenn ihr ganz genau wisst, was ihr tut…). Eine genaue Anleitung würde diesen Beitrag wirklich sprengen. Sehr gut erklärt IDOMIX die Möglichkeiten der Diskstation auf seinem YouTube-Channel.

Ich habe meine Diskstation so konfiguriert, dass vier Festplatten im SHR RAID (Synology Hybrid Raid – ein eigens von Synology geführtes Redundanzsystem) mir 12 Terrabyte Speicher bereitstellen. Meine wichtigen Daten kopiert der Server automatisch jede Nacht auf einen Webspace (auch die Dropbox, Google Drive o.ä. wären hier möglich), der Ordner mit meinen wichtigsten Fotos – auch die RAW-Dateien – schiebt die Diskstation permanent auf einen in der Amazon Prime Mitgliedschaft inbegriffenen unbegrenzten Fotospeicher bei Amazon. Darüber kann man jetzt denken, was man will und wer die volle Kontrolle über seine Daten behalten möchte, kann auch eine zweite Diskstation an einem anderen Ort mit der ersten synchronisieren. Persönlich komme ich mit meiner Lösung sehr gut klar und sie erfüllt alle Kriterien, die ich mir von meinem Fotospeicher wünsche:

  • Sie ist rechnerunabhängig. Ich kann in meinem Heimnetzwerk und von unterwegs auf sie zugreifen
  • Meine Daten sind vor Hardwarefehlern geschützt. Fällt eine Festplatte aus, tausche ich sie aus. Fällt der Raidcontroller aus, kann ich die Datenträger in eine neue Diskstation einbauen.
  • Im Falle des Verlusts meiner Disksstation (Feuer, Diebstahl, etc) liegen meine wichtigen Daten in Kopie auf Cloudspeichern wie Amazon Foto, der Dropbox und meinem privaten Webspace.

Das richtige Speichermedium für langlebige Sicherung eurer Fotos

Wichtig ist die Auswahl der Festplatten, die ihr für die Speicherung Eurer Fotos nutzt. Hier solltet ihr überlegen, ob ihr das externe Laufwerk beziehungsweise das Festplattengehäuse im Dauerbetrieb als NAS nutzt oder eher sporadisch einschaltet. Für die erstere Variante benötigt ihr unbedingt auf Dauerbetrieb ausgelegte Festplatten.

Bei Festplatten gibt es immer eine gewisse Toleranz für Herstellungsfehler: Ihr werdet niemals eine Platte bekommen, die zu 100% fehlerfrei ist. Das ist aber nicht schlimm, da alle Speichermedien „stille Reserven“ bereitstellen. Diese kompensieren Produktionsfehler und dienen als Kompensation für im Laufe der Zeit auftretende physikalische Abnutzungen. Um Serienfehler bei der Produktion zu vermeiden, könnt ihr die Platten von verschiedenen Anbietern oder aus unterschiedlichen Chargen kaufen. Die Marke, Speicherkapazität und Version sollte für einen RAID-Verbund jedoch gleich sein.

Mein persönlicher Workflow zur Datensicherung

Im Laufe der Zeit habe ich mein für mich passendes System entwickelt. Es schließt alle drei hier genannten Möglichkeiten ein und seitdem ich so arbeite, habe ich keine Datei mehr verloren (eventuell konnte ich sie einfach nicht mehr finden – aber das ist eine andere Geschichte…).

  1. Wenn ich unterwegs bin, speichere ich meine Daten auf einem externen Laufwerk. Das mache ich, da der Platz auf meinem Laptop begrenzt ist und zumeist nicht für die ganzen RAW- und Videodateien ausreicht.
  2. Sobald ich an meinem Hauptrechner bin, kopiere ich alle Daten auf ein mit meinem Computer verbundenen Festplattengehäuse. Das Festplattengehäuse beherbergt vier 3 Terrabyte-Festplatten. Zwei Festplatten sind jeweils zu einem Raid 1-System zusammengefasst. Jedes stellt ein eigenes Laufwerk bereit. Ich habe somit zwei voneinander unabhängige Laufwerke, die jeweils durch eine 1-zu-1 Kopie vor Festplattenausfällen geschützt sind. Ich nutze eines der Laufwerke für Foto-, das andere für Videodateien. Ebenfalls lagere ich meine Lightroom-Kataloge auf dem Fotolaufwerk und führe dort RAW-Anpassungen durch.
  3. Wenn ich die Bearbeitung meiner Fotos abgeschlossen habe, verschiebe ich die Daten vom Festplattengehäuse auf meine Diskstation. Die Diskstation ist durch meine FritzBox im Netzwerk eingebunden. Ich kann von jedem Rechner auf die dort abgelegten Dateien zugreifen (wie man das mit Lightroom Bearbeitungen im Netzwerk synchronisieren kann, könnt ihr in unserem Training „Lightroom 2: sortieren und verwalten“ lernen). Die Diskstation verfügt über ein eigenes Redundanzsystem, den „Synology Hybrid Raid“ (SHR). Es erstellt aus vier 4 TB Festplatten ein Speichervolumen von 12 TB mit einer Festplatte Redundanz. Dank der richtigen Einstellungen kann ich über das Internet auf die Diskstation zugreifen. Hierzu ist mein 40 mbit/s Upload unbedingt erforderlich.
  4. Bestimmte Ordner auf meiner Diskstation synchronisieren sich über Nacht mit verschiedenen Cloudspeichern. Das System kopiert nachts den Ordner für berufliche Fotos auf Amazon Prime Photo, wichtige Geschäftsunterlagen kommen auf meinen persönlichen Webspace, weniger sensible Daten in die Dropbox oder auf Google Drive. So kann ich diese Daten auch dann noch abrufen, wenn im Katastrophenfall meine vollständige Hardware verloren geht.

Der Wert dieses System geht inzwischen in die 2.000 Euro. Sicherlich ist das keine einfache Anschaffung. Bei mir ist es organisch mit der Zeit gewachsen. Die Diskstation nutzte zuerst nur zwei Festplatten, später habe ich sie erweitert. Das Festplattengehäuse kam dazu, als ich mit Videografie begann und entsprechend Speicherplatz brauchte. Wenn das Budget begrenzt ist, empfehle ich eine einfache mit jeweils vier oder sechs Terrabyte . Hier würdet ihr etwas mehr als 700 Euro investieren, seid gut aufgestellt und könnt immer noch upgraden, sollte euer Bedarf steigen.

Die Grenzen meines Systems

Mein System ist nicht perfekt und diejenigen unter Euch, die sich besser mit Netzwerktechnik auskennen, werden sicher schnell einige Schwachstellen erkennen. So werden Raid-Systeme bei zunehmender Festplattengröße und -anzahl immer anfälliger für Lesefehler, die im Fall der Fälle zu einer fehlerhaften Datenrekonstruktion führen können (dazu ein passender Artikel auf zdnet). Größere Unternehmen oder Vollzeitvideografen, die täglich mit Terrabyte an Daten umsich schmeißen, werden hingegen wahrscheinlich in einem 10-Gigabit Netzwerk direkt auf ihren leistungs- und speicherstarken echten Servern samt angeschlossenem Backupsystem arbeiten. Diese sind zusätzlich vor Stromausfällen und Fehlspannungen durch mehrere Netzteile / PSU (Server Power Supply) und UPS (Uninterruptible Power Supply – Notstrom) gesichert, was im Notfall vor beispielsweise fehlerhaften Schreibvorgängen schützt. 

Wie lautet eure Lösung zum Thema Datensicherheit? Habt ihr weitere Ideen oder nutzt ihr andere Systeme? Dann lasst es mich in den Kommentaren wissen!

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